Die verschiedenen Vermehrungsarten des „Biens“ in der Natur

Wir unterscheiden zwischen der Vermehrung über die Schwarmkönigin, der Umweiselungskönigin und der Nachschaffungskönigin.

  1. Die natürliche Vermehrung über den Schwarmtrieb:  Die Schwarmkönigin entsteht dann im Volk, wenn das Volk in Schwarmstimmung gerät und im Verlauf dieses Triebes durchaus 10 bis 15 Königinnen heranziehen kann. Die Königin legt die Eier in der natürlichen Vermehrungszeit  - Schwarmzeit – in von den Bienen an den Wabenrändern gebaute senkrecht hängende kleine Weiselnäpfchen. Die zukünftigen Königinnen werden ausschlieβlich und sehr reichlich mit Futtersaft, dem Gelée royale, aufgezogen. Dieser wird in den Futtersaftdrüsen der Ammenbienen erzeugt. Die Weiselzellen wachsen mit der Entwicklung der Königin.  Sie entwickeln sich im Überfluss an Weiselfuttersaft zu schönen vollentwickelten Königinnen. Weiselzellen werden nur einmal benutzt zur Aufzucht von Königinnen. Nach dem Schlüpfen bleibt immer ein dicker Pfropfen Gelée royale in der Zelle. Sie schlüpfen am 16 Tag nach der Eiablage. Die Verjüngung erfolgt dadurch, dass die Altkönigin mit einem Teil des Altvolkes schwärmt, im Restvolk eine junge Königin schlüpft und ihm so zur Verjüngung hilft. Bienenvölker mit einer älteren Königin die geschwärmt haben, bauen noch ein sehr schönes Wabenwerk mit einem schönen Brutnest und wenn die ersten Jungbienen schlüpfen weiseln sie oft still um.

  2. Die natürliche Vermehrung über die „Stille Umweisslung“:  Die Umweiselungskönigin ensteht im Bienenvolk, wenn das Volk, aus welchem Grund auch immer mit der Königin nicht mehr zufrieden oder wenn sie zu alt ist. In diesem Zustand pflegt das Volk in den meisten Fällen zwei bis drei Königinnen heran. Die alte Königin legt die Eier, wie bei den Schwarmzellen in hierfür bestimmte runde Zellen, die auf der Mitte einer Brutwabe angelegt wurden. Die Umweiselungszeit fällt meistens in den Zeitraum Mitte Juni bis Herbst. Die Bienen legen sehr grossen Wert auf die Pflege dieser Königin. Im Umweislungsvolk – ergibt sich die einzige Situation, in einem Volk über längere Zeit zwei Königinnen nebeneinander mit jeweils eigenem Brutnest vorfinden zu können ohne, dass diese sich bekämpfen. Die Altkönigin wird irgendwann hinausfliegen und in der Natur sterben.

  3. Die „Vermehrung“ über die Nachschaffungskönigin: Bei Notsituationen bzw. Ausnahmesituationen wie, schlechte Begattung usw. bevor die Königin von den Bienen gebaute Weiselzellen bestiften konnte,  die einzige Möglichkeit, mit der die Bienen sich eine eine neue Königin heranpflegen können um den Untergang des Bienenvolkes zu sichern.

Die Natur zeigt uns hier etwas Bedeutsames:

Dem Bienenvolk wurde die Möglichkeit gegeben, aus einer Arbeiterinnenlarve durch Veränderung der Zellform – und Futterumstellung eine neue Königin zu pflegen.

Dieser Fall kann eintreten, wenn aus irgendeinem Grund die Königin eines Volkes verlorengeht, bevor die Bienen  die Möglichkeit hatten Weiselzellen zu bauen, wie beim Schwarm oder der stillen Umweiselung, die die Königin bestiften konnte.

Sonst müsste das Volk nach einigen Wochen aussterben, nämlich dann,  wenn die letzten Bienen ihr Lebensende erreicht haben. Um dem entgegen zu wirken, suchen die Bienen  einige Arbeiterinnenlarven aus. Die Zellform wird verändert, indem die sechseckige liegende Zelle, in der eine Arbeiterinnenmade liegt, zu einer runden, hängenden Zelle umgebaut wird. Dies muss geschehen,  da nur in runden Zellen Königinnen gepflegt und herangezogen werden. Nun wird auch die Pflege und die Ernährung der Made verändert, indem eine Umstimmung ihrer Entwicklung erreicht wird, die Larven erhalten von nun an Königinnen-Futtersaft und die Nachschaffungsköniginnen entstehen.

Dies stellt jedoch im natürlichen  Leben der Bienen nur eine Notlösung dar, um den Untergang des Volkes zu verhindern. 

Diese Nachschaffungsköniginnen scheinen jedoch für das Bienenvolk keine vollwertigen Königinnen  zu sein , weil man immer wieder beobarten kann, dass diese Königin spätesten im darauffolgenden  Jahr  vom Bienenvolk still umgeweiselt werden.

Die künstliche Königinnenzucht

Die im 19. Jahrhundert entdeckte Nachschaffung im Bienenvolk wird seit Anfang des 20. Jahrhunderts zu Zucht und Vermehrungszwecken genutzt und hat die „künstliche“ Königinnenzucht revolutionär verändert. Der Imker entnimmt hierbei einem Volk die rechtmäβige Königin und versetzt dieses damit in Nachschaffungsstimmung. Nach einigen Tagen zerstört er die Nachschaffungszellen dieses Volkes und versetzt dieses  erneut  in Nachschaffungsstimmung, gibt ihm aber dann Arbeiterinnenmaden aus einem von ihm nach seinen Kriterien ausgewählten „nachzuchtwürdigen „  Volk.

Die Maden werden mit einem „Umlarvlöffel“ aus ihren ursprünglichen sechseckigen Zellen in künstlichgefertigte runde Zellen, ohne ihren ursprünglichen Futtersaft umgebettet. Das Volk ohne Königin und ohne eigene Arbeiterinnen Larven hat keine andere Wahl als aus diesen künstlich „umgelegten“ Arbeiterinnenmaden Königinnen aufzuziehen.

Diese künstliche Königinnenzucht gibt dem Imker die Möglichkeit, unabhängig vom natürlichen Geschehen im Bienenvolk zu beliebiger Zeit beliebig viele Königinnen gleicher Herkunft vermehren kann.

Unbeeinflusst von menschlichen Eingriffen kann eine vollwertige Schwarmköniginmehr als vier Jahre alt werden, wobei ihr Lebenszyklus natürlichen Auf – und Abbauprozessen unterliegt.

In der „modernen“ Erwerbsimkerei ist es dagegen üblich geworden, die Königinnen jedes Jahr auszutauschen. Diese Maβnahme soll einen maximalen Honigertrag garantieren. Die Völker werden unabhängig von ihrem natürlichen Lebensrhythmus in einer permanenten Leistungsbereitschaft und in permanenter Jugend gehalten.

Betrachtet man unter dieser Berücksichtigung mit welchen Zuchtzielen die Imker seit über 50 Jahren züchten und vermehren und selektionieren stellt sich eine gewisse Beklemmung ein. Abgesehen von den veränderten Umweltverhältnissen wurde die Lebensfähigkeit und die Lebenskraft der Bienen in den letzten Jahrzenten enorm geschwächt. 

Zusammenfassung

Schaut man sich die Zellen der Schwarm – und  Umweiselungsköniginnen an,  so sind sie vom Zellboden, also von Grund aus rund. Das Ei wird bereits in eine runde Zelle gelegt und ist direkt vorgesehen dass daraus eine Königin entstehen soll. Die Runde Zelle wird dann im Laufe der Königinnenentwicklung zu einem runden Säckchen, das zum Schluss die Form einer Traube bekommt. – Die Schwarmtraube in Miniatur.

Bei der Nachschaffungskönigin wird das Ei in eine sechseckige Zelle  gelegt, denn es soll ja eigentlich aus diesem Ei eine Arbeitsbiene werden. Nach drei Tagen schlüpft  aus dem Ei eine Larve, diese wird nun nach ein, zwei oder drei Tagen von den Bienen  auserkoren eine Königin zu werden, d.h. dass die zukünftige Königin vier bis fünf Tage in einer sechseckigen aufwächst und auch nicht von Anfang an Weiselfuttersaft erhält.

Gesteht man nun verschiedenen Formen unterschiedliche Kräftewirksamkeiten zu, wird man auch verstehen können, dass eine Königin, die von Anfang an in einer runden Zelle entwickelt hat, andere Kräftewirksamkeiten aufgenommen hat als diejenige, die ca. ein Drittel ihrer Entwicklungszeit in einer Sechskantzelle verbracht hat.

Hinzu kommt noch, dass die Bienen nur die Wandungen der Arbeiterinnenzelle abrunden kann und nicht den gesamten Zellboden, der seine Sechseckform behält. Zusammenfassend kann gesagt werden dass die Nachschaffungszellen in jedem Fall nur eine Notlösung der Natur sind um den Untergang des Bienenvolkes zu verhindern.

Wer den organischen Vorgang während des Schwarmprozesses studiert und kennt, kann wahrnehmen, wie der Organismus „Bien“ diesen Vorgang fein abgestimmt innerlich reguliert. Meist aus der Überschusssituation im Mai entwickelt sich die Schwarmstimmung, Schwarmzellen werden gebaut, nach und. nach bestiftet, und die Königinnenmaden werden versorgt. Verändert sich die Situation durch eine Schlechtwetterperiode, kann der Organismus „Bien“ den Schwarmtrieb in jedem Zustand seiner Entwicklung unterdrücken und auch in der Folge völlig darauf verzichten.

Aufteilung des Restvolkes und eines schwarmreifen Volkes in kleine Brutableger mit je einer Schwarmzelle

Eine sehr einfache Form der weiteren Vermehrung ist die Bildung von Brutablegern aus dem Restvolk oder aus schwarmreifen Völkern mit jeweils mindestens einer Schwarmzelle. Die Aufteilung der Schwarmableger kann nach Bildung des vorweggenommenen Vorschwarm erfolgen. Wenn man auf den Vorschwarm nicht wegnimmt, kann man natürlich das schwarmbereite Volk aufteilen in Brutableger mit je zwei verdeckelten Brutwaben und einer Futterwabe. Im Volksteil mit der alten Königin soll man darauf achten dass keine Weiselzelle stehen bleibt. Mit diesem Verfahren kann man auf einfachste Weise und ohne groβen Aufwand eine enorme Vermehrungsrate erzielen. Solche Ableger stellt man an einen anderen Standort.